Der Apfel

Der Apfel (Malus) ist ein Kernobstgewächs, von dem es weltweit über 20.000 Sorten gibt. Neben dem bei uns bekannten Kulturapfel gibt es auch Sorten mit kleinen, nicht essbaren Früchten, die zur Zierde angebaut werden oder wild wachsen.

Äpfel wachsen an Sträuchern und Bäumen, die bis zu 15 Metern hoch werden können und im Sommer grünes Laub tragen. Die wechselständigen Laubblätter sind oval, meist gesägt und manchmal gelappt.

Im Mai tragen Apfelbäume rosaweiße, fünfzählige Blüten, die eine Größe von etwa 2 bis 5 cm haben und wie flache Kelche geformt sind. Sie werden gerne von Bienen besucht und bestäubt.

Die meist essbaren Früchte entstehen nicht aus dem Fruchtknoten, sondern aus der Blütenachse und werden deshalb als Scheinfrüchte bezeichnet. Sie reifen nach der Ernte nach und geben dabei das Pflanzenhormon Ethylen ab, welches dazu führt, dass auch die anderen Früchte in ihrer Nähe schneller reifen.

Die Samen sind braun oder schwarz und enthalten geringe Mengen an giftiger Blausäure.

Die Kultursorten sind nicht samenbeständig und werden deshalb durch Veredelung vermehrt. Dabei wird die gewünschte Sorte auf eine gutwüchsige Unterlage gepfropft. Verwilderte Apfelbäume vermehren sich aber auch durch Wurzelsprosse.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Der Kulturapfel enthält einen hohen Wasseranteil sowie über 30 Mineralstoffe und Spurenelemente, die sich aber je nach Sorte in der Zusammensetzung stark unterscheiden.

Erwähnenswert sind vor allem Kalium zur Regulation des Wasserhaushaltes und Eisen zur Blutbildung. Ein weiterer wichtiger Inhaltsstoff ist das Pektin, das den Cholesterinspiegel senkt, Schadstoffe bindet und wieder ausschwemmt. Isst man eine große Menge an Äpfeln oder trinkt man viel Apfelsaft, so hat dies eine abführende und keimtötende Wirkung.

Der regelmäßige Verzehr von Äpfeln soll außerdem das Risiko senken an Herz- und Gefäßerkrankungen, Asthma und Lungenfunktionsstörungen, Diabetes und Krebs zu erkranken. Bis zu 70 Prozent der Vitamine befinden sich übrigens in der Apfelschale oder direkt darunter. Die Schale ist zudem reich an Eisen, Magnesium, ungesättigten Fetten und bioaktiven Substanzen.

Apfel

Apfel

Eine mystische Frucht

Der Apfel gilt als Symbol der Liebe, der Sexualität, der Fruchtbarkeit, des Lebens, der Erkenntnis, der Entscheidung und des Reichtums. Bereits der lateinische Name Malus (schlecht) stimmt jedoch nachdenklich.

Die griechische Liebesgöttin Aphrodite wird gerne mit einem Apfel als Fruchtbarkeitssymbol dargestellt und bei der germanisch Göttin Idun stehen die goldenen Äpfel für die Unsterblichkeit. Bei Schneewittchen allerdings sollte der Apfel den Tod bringen.

Ein Apfel war es auch, der Eva im Paradies zum Verhängnis wurde. Die Erkenntnis und Unterscheidungsfähigkeit von Gut und Böse versprechen „wie Gott zu werden“ – welche Verlockung! Im Zusammenhang mit der Schlange steht der Apfel somit auch für Versuchung und Sünde, während er bei der Darstellung mit Christi für die Erlösung von allen Sünden und die Rückgewinnung des Paradieses steht.

Isaac Newton hatte eine wichtige Erkenntnis, während er einen vom Baum fallenden Apfel beobachtete.

Im Märchen von Frau Holle steht der Apfelbaum für Reichtum. Während das fleißige Mädchen neben anderen Aufgaben den Baum mit reifen Äpfeln schüttelt und dafür mit Reichtum belohnt wird, geht das faule Mädchen achtlos am Apfelbaum vorüber und erhält Pech. Auch der Reichsapfel zeugt von Besitzanspruch und Macht, aber auch von weltlicher Vergänglichkeit.

Der Apfel hat äußerst vielseitige und teils auch widersprüchliche Bedeutungen. Es lohnt sich auf jeden Fall sich über diese Frucht ein paar eigene Gedanken zu machen.

Vielseitige Verwendung

So vielseitig wie seine Bedeutung ist auch die Verwendung des Apfels. Von Omas gutem Apfelstrudel über beschwingenden Most bis hin zum reinigenden Essig gibt die Scheinfrucht einiges her. Besonders der Essig lässt uns auch über unseren Tellerrand hinaus schauen. Er wird nämlich auch zur Haarpflege oder zum Putzen verwendet.

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Randzonen in der Ernährung

Teich mit Steg

Randzone am Teich

In der Permakultur gibt es den Begriff der Randzone, der Ort, an dem zwei Ökosysteme aufeinandertreffen. Der Übergang von Wasser zu Land ist hierbei besonders artenreich und somit eine äußerst produktive Zone. Deshalb versucht man diese Uferzone möglichst groß anzulegen, indem man zum Beispiel die Wasserfläche sonnenförmig (mit Strahlen) statt kreisförmig gestaltet.

Was hat dies nun mit der Rohkost zu tun?

Ich habe festgestellt, dass unmittelbar nach einer Ernährungsumstellung (Allesesser auf Vegetarier, Vegetarier auf Veganer, oder Veganer auf Rohköstler, …) die Entgiftungserscheinungen und andere Reaktionen am Stärksten an meinem Körper ausfallen. Die Ernährungsumstellung ist bei uns das Sinnbild der Randzone. Deshalb stelle ich die Theorie auf, dass bei langer gleichbleibender Ernährung nicht so schnell Fortschritte bei der Gesundheit erziehlt werden können, wie wenn man alle paar Wochen seine Ernährung umstellt.

Bestärkt hat mich diese Theorie, nachdem ich persönlich gehört habe, dass konsequente Rohköstler auch nach vielen Jahren trotzdem von Krankheiten oder besonderen Ausscheidungen überrascht wurden. Auch habe ich gehört, dass manchmal Krankheiten nach 1 bis 2 Jahren nach der Umstellung auf Rohkost wieder zurück gekehrt sind.

Randzonen in der Ernährung schaffen

Um die Randzone im Bezug auf das Essen zu maximieren hat Arnold Ehret als Abwechslung das Fasten mit ins Spiel gebracht. Er ist in den 1970 bekannt geworden mit der schleimfreien Heilkost. Nach seinen Vorstellungen lagert sich während der Fastenkur Schleim im Darm ab, welcher nach dem Fastenbrechen (z.B. durch rohes Gemüse, welches eine abführende Wirkung hat) wieder ausgeschieden werden sollte. Hierbei interagieren Fasten und Essen ideal miteinander und sollten eine rasche Steigerung der Gesundheit bewirken.

Eine weitere Möglichkeit solche Randzonen zu schaffen besteht darin, sich den Jahreszeiten entsprechend unterschiedlich zu ernähren. Jemand der isst was gerade wächst, macht dies nach meinen Vorstellungen automatisch richtig und hat ausreichend viel Abwechslung.

Ähnliche Randzonen, die wichtig sein können finden wir neben der Ernährung auch bei der Bewegungslehre (Bewegungs- und Ruhephasen) und bei unseren Emotionen (wie zB. Freude, Kummer, Trauer, Angst, Wut).

Es macht Spaß die Randzonen für sich ideal zu positionieren, denn es bedeutet auch immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Damit kann man auch leichter ganzheitlich in Balance kommen und innerlich sowie gesundheitlich wachsen.

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Steinhütte Bregenzer Wald

Am Freitag Nachmittag den 11. September startete unser gemeinsames Hüttenwochenende auf der Steinhütte im Bregenzerwald.

Zuerst waren wir zu viert, was uns einen gemütlichen Start mit Einheizen und Küche einrichten ermöglichte.

Am Samstag morgen trafen drei weitere Teilnehmer bei uns ein. Das Wetter war sonnig, klar und sehr warm. Nach einem Frühstück brachen wir zu einer kleinen Wanderung auf, bei der wir uns gegenseitig durch Gespräche besser kennen lernen konnten. An einem schönen Platz gab es dann eine kurze Meditation, bei der wir versuchten unseren Raum einzunehmen und uns mit der Natur zu verbinden.

Nach der Wanderung besuchten wir einen Wassertümpel um uns darin abzukühlen. Nach einem heißen und sonnigen Tag wurde es am Abend zunehmend frischer, was uns aber nicht davon abhielt draußen gemütlich zu essen. Anschließend wurde noch ein bisschen musiziert.

Am Sonntag begeleitete uns bis zum Nachmittag ein eher trübes und kühles Wetter.

Unsere liebe Naturfriseurin machte noch zwei Haarschnitte, während uns Konstantin viele unserer Fragen rund um Anastasia und seine persönlichen Erfahrungen beantwortete. Er hat einen schönen Garten mit lebenden Häusern, den wir im kommenden Jahr mit unserem Verein besuchen dürfen. Eine seiner vielen Websites ist www.naturbauten.org.

Nach dem Haare schneiden reiste Konstantin wieder nach Hause. Wir jedoch machten einen kleinen Abschiedsspaziergang und genossen danach noch die letzten Sonnenstrahlen, die milden Temperaturen und die frische Luft des Bregenzerwaldes.

Insgesammt war es ein sehr gemütliches Hüttenwochenende, bei dem sich durch Gespräche neue Impulse, Ideen und Lösungsmöglichkeiten ergaben.

Vielen Dank an alle Teilnehmer für diese unvergesslichen Tage.

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5 Regeln die unser Kind nicht befolgen muss

1. Regel: Teller leer essen

Unser Kind muss niemals seinen Teller leer essen wenn es nicht will, auch dann nicht, wenn er sich selber so viel geschöpft hat oder extra viel haben wollte. Mit dieser erzieherischen Maßnahme will man vermutlich erreichen, dass man sich nur so viel schöpft wie man auch essen mag oder kann. Außerdem will natürlich niemand teures Essen wegwerfen. Zwar sind diese Ansätze verständlich, jedoch kann ich bei so erzogenen Kindern beobachten, dass sie sich häufig trotzdem zu viel schöpfen und es dann ein riesen Theater gibt, bis der Teller endlich leer ist. Es ist für mich daher fraglich, ob Kinder auf diese Weise tatsächlich lernen die Essensmenge richtig einzuschätzen. Was ich aus eigener Erfahrung und durch Beobachtungen aber sagen kann ist, dass man durch das Weiteressen obwohl man schon satt ist lernt, sein Sättigungsgefühl zu missachten. Manchmal nimmt man es gar nicht mehr wahr und isst einfach so lange bis der Teller leer ist ohne auch nur zu bemerken ob es zu viel oder zu wenig ist.

Unser Kind soll selber entscheiden können wie viel es isst, auch wenn ich feststelle, dass es manchmal nicht aufgrund von Hunger isst. Ich bin überzeugt, dass man durch selbst ausprobieren und entscheiden besser die Verantwortung für seine Ernährung übernehmen kann und ein besseres Körpergefühl behält.

Teller leer essen

Teller leer essen

2. Regel: Beim Tisch sitzen bleiben

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie langweilig das für ein Kind ist: Endlich brav den Teller leer gegessen, muss man noch eine gefühlte Ewigkeit warten, bis die Tanten die gerade zu Besuch sind zwischen ihren langen Gesprächen endlich auch ihren Teller leer essen. Stundenlanges Sitzen ist meiner Ansicht nach weder gesund noch natürlich, und für kleine Kinder schon gar nicht. Gesunde Kinder haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und sollen nicht ständig gezähmt und zurückgehalten werden. Welchen Zweck hat es tatsächlich, am Tisch sitzen zu bleiben bis alle fertig sind? Die Kinder sind unruhig und gelangweilt, die Erwachsenen können sich nicht unterhalten, weil die Kinder quengeln. Manch einer möchte vielleicht lieber in Gesellschaft essen anstatt allein, was aber noch nicht rechtfertigt, dass ALLE am Tisch sitzen bleiben müssen. Ich persönlich fühlte mich immer zur Eile getrieben, wenn alle sitzen blieben bis ich fertig war, da ich sehr langsam gegessen habe. In diesem Fall war mir die Gesellschaft der anderen auch nicht angenehm. Je nach Charaktere und Vorlieben sollten solche Regeln für jede Familie individuell angepasst werden, für mich fühlt es sich aber richtig an Kinder in jedem Fall aufstehen zu lassen, sobald sie fertig sind.

3. Regel: Nur wer die Hauptspeise aufgegessen hat, bekommt einen Nachtisch

Gesunder Kuchen

Gesunder Kuchen

Diese Regel zielt darauf ab, dass man sich vom Gesunden satt isst und vom Ungesunden nur wenig nimmt. Grundsätzlich eine gute Idee, jedoch werden auch hier die Impulse des eigenen Körpers missachtet. Denn auch von etwas Gesundem kann man zu viel, das heißt mehr als dem Körper gut tut, essen. Und nicht jeder Nachtisch muss ungesund sein. In der Rohkost machen wir es manchmal sogar umgekehrt: Zur Vorspeise gibt es Eis und erst danach kommt der Salat. Das hat den Hintergrund, dass Zucker besonders schnell verdaut wird und süße Speisen deshalb nur für sich allein, oder eben als 1. Gang gegessen werden sollten. Ansonsten kann es zu Verdauungsproblemen kommen, da der Zucker zu gären beginnt, wenn die Verdauung z.B. durch fett- oder eiweißreiche Speisen verlangsamt wird. Bei ausschließlich aus Bananen und Himbeeren bestehendem Eis mache ich mir auch keine Sorgen, dass sich unser Kind daran überisst. Doch selbst wenn wir ungünstige Kombinationen wählen (z. B. Datteln als Nachtisch) oder auswärts essen, muss unser Kind nie seine Hauptspeise aufessen, damit es den Nachtisch haben darf. Dies würde ich als zu starken Eingriff in seine Rechte und seine Freiheit empfinden. Es soll schließlich seinen eigenen Impulsen nachgehen und nicht zum Essen gezwungen werden.

4. Regel: Nicht mit dem Essen spielen

Hier gilt es zu unterscheiden, ob wertvolle Lebensmittel mutwillig zerstört werden, oder ob man einfach Spaß beim Essen hat. Unser Kind darf nicht mit Tomaten um sich schmeißen oder seine Füße im Saft baden, jedoch haben wir alle große Freude daran, die Rosinen erst zu einem Gesicht aufzulegen bevor sie verspeist werden oder auszuprobieren ob man Salat am besten mit den Fingern, der Gabel oder dem Löffel essen kann. Auch durfte unser Kind als Baby in meinem Salat herumgatschen oder seine Hand in den Pudding tunken. Ich halte das für wichtige sensorische Erfahrungen und Motorikübungen, die einfach in jedem Lebensbereich stattfinden können, auch beim Essen.

Orange mit Augen, Nase, Mund und Haaren

Orangengesicht

Wenn auch wir Erwachsenen Freude am schön anrichten und dekorieren haben, warum sollten unsere Kinder das nicht auch auf ihre Art machen? Mit dem Essen spielen ist für mich eine eigene Art sich gestalterisch auszudrücken. Wer besonders schöne Wassermelonen sehen will, kann einfach einmal bei Google „beautiful watermelon“ eintippen und die Bilder bestaunen.

5. Regel: Das Messer nicht in den Mund nehmen

Ganz ehrlich: wie viele Erwachsene halten sich immer an diese Regel, die wir unseren Kindern so eindringlich beibringen? Ich schlecke oft mein Messer ab, und bis jetzt habe ich mich noch kein einziges Mal daran verletzt! Es ist tatsächlich kaum möglich, sich mit einem normalen stumpfen Messer in die Zunge zu schneiden. Natürlich gilt das nur für Essbesteck und nicht für scharfe Keramikmesser. Kinder die auch in der Küche mithelfen dürfen, verstehen das ganz von selbst.

Bei anderen Erwachsenen habe ich schon oft gesehen, dass sie ihr Messer in den Mund nehmen, sobald ihre Kinder das nachmachen wollen, wird es diesen aber verboten. Mir hat sich der Sinn dieser Regel bis heute nicht erschlossen und deshalb gilt auch hier: Freiheit und Eigenverantwortung für das Kind und sicherheitshalber ein wachsames Auge der Mutter.

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Was bedeutet natürliche Ernährung?

Viele Rohköstler sind der Meinung, dass Rohkost die einzige natürliche und damit gesunde Ernährungsform für den Menschen ist. Diese Meinung teile ich grundsätzlich, beim Ausprobieren der Rezepte stoße ich allerdings auf Dörrautomaten, Mixer, Saftpressen und weitere Gegenstände, denen ich so in der Natur noch nie begegnet bin. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, was denn nun natürliche Ernährung bedeutet.

Was bietet uns die Natur an?

Angenommen, wir lebten vollständig in, mit und von der Natur – wie und was würden wir essen? Auf jeden Fall hätten wir ausschließlich regionale und unverarbeitete Lebensmittel zur Verfügung. Auch die Jahreszeit spielt eine entscheidende Rolle. Im Frühling gibt es viele Kräuter, im Sommer zusätzlich Beeren, Blätter und Gemüse, im Herbst auch noch Obst und Nüsse. Im Winter kann man alles was übrig geblieben und lange haltbar ist genießen, wie Karotten und Äpfel. Außerdem gibt es im Winter erste Knospen und Wurzeln. Nüsse kann man zu allen Jahreszeiten essen, da man sie lange aufbewahren kann. Ob man sich auf diese Art vollständig und gesund ernähren kann, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Neben regionalem und saisonalem Essen bedeutet für mich natürliche Ernährung auch, dass man die Bedürfnisse seines Körpers spontan erfüllt. Hat man beispielsweise gerade Lust auf ein bestimmtes Kraut, was häufig ein Anzeichen dafür ist, dass man gerade bestimmte Inhaltsstoffe dieser Pflanze benötigt, so geht man einfach zur Wiese und pflückt es sich. Auf diese Art kann der Nährstoffbedarf des Körpers optimal gedeckt werden – vorausgesetzt man braucht gerade die Nährstoffe die in der entsprechenden Jahreszeit verfügbar sind.

Wo ziehen wir die Grenze zwischen natürlich und unnatürlich?

Dies führt mich weiter zu der Frage, ob Mitteleuropa klimatisch gesehen eine natürliche Umgebung für den Menschen ist, oder ob die Besiedelung erst durch künstliche Maßnahmen (Hausbau, Handel, Kleidung, Kochen …) möglich geworden ist. Da allerdings das Erschaffen und Gestalten auch in der Natur des Menschen liegt, ist es vielleicht gar nicht so unnatürlich sich ein Haus zu bauen, sich Kleidung zu nähen, sich Speisen schön anzurichten und damit zu experimentieren. Zumindest der Hausbau ist auch in der Tierwelt nicht unüblich, man denke nur an die perfekt runden Vogelneste oder die beeindruckenden Ameisenhaufen. Wo liegt nun also die Grenze zwischen natürlich und unnatürlich? Ist es tatsächlich weniger natürlich seine Lebensmittel über das Feuer zu halten als sie im Mixer zu zerkleinern? Für mich ist eindeutig das Lagerfeuer die natürlichere Variante, hier stellt sich eher die Frage was für unseren Körper besser bekömmlich ist – und da tendiere ich wieder mehr zum Mixer.

Ist natürliche Ernährung alltagstauglich?

Um noch einmal auf unser Beispiel mit der regionalen, saisonalen, unverarbeiteten und spontanen Nahrungsaufnahme zurückzukommen habe ich für mich geprüft inwieweit sich diese Ernährungsweise in meinen Alltag integrieren lässt. Zwar sind wir Mitglieder bei einem Gemeinschaftsgarten, vor der eigenen Haustür haben wir aber nichts Essbares. Somit ist es schon einmal nicht möglich, sich spontan ein Kräutlein zu pflücken. Bei jedem Besuch im Garten einen Kräuterstrauß mitzunehmen für alle Eventualitäten hat sich als unpraktisch erwiesen, zumal ich dann die nicht genutzen Kräuter nicht wegwerfen will, wenn niemand Lust darauf hatte. Kräuter nehme ich zwar schon mit, aber eher um sie gleich zu Pesto zu verarbeiten, einen Salat zuzubereiten oder um sie einzufrieren.

Für eine ausschließlich regionale Ernährung fehlt mir die Konsequenz (und auch die Obstbäume) und alles kleinzukauen ist mir oft zu mühsam, da verwende ich besonders bei Kürbis und Wurzelgemüse gerne den Mixer oder zumindest den Hobel.

Was ich aus eigener Erfahrung und von anderen Berichten auch noch sagen kann ist, dass eine natürliche und gesunde Ernährung umso leichter fällt, je ausgeglichener man ist. Bei Stress oder psychischer Belastung gerät man mehr in Versuchung doch zur Schokolade und zum Kaffee zu greifen oder einmal mehr zu essen als einem gut tut.

Da wir in unserer Welt außerdem mit Umweltgiften zurechtkommen müssen, brauchen unsere Körper andere Nährstoffe und Heilpflanzen als wir natürlicherweise ohne diese Gifte benötigen würden. Zudem fehlen uns die feinen Pollen und Aromastoffe die in einer völlig natürlichen Umgebung in der Luft enthalten sind. Nicht zuletzt stehen wir oft unter Zeitdruck und haben vielleicht nur eine halbe Stunde Zeit für das Mittagessen – viel zu wenig um wirklich gründlich zu kauen und in seinen Körper hineinzuspüren.

Wie gehe ich damit um?

Für mich macht es keinen Sinn, mich in einer überwiegend künstlichen Umgebung zu 100 % natürlich zu ernähren. Mein Ziel ist es mich so gesund wie möglich zu ernähren, ohne dabei etwas zu erzwingen oder viel zu verbieten. Da es mir wichtiger ist meinen Körper gesund zu halten als ausschließlich Natürliches zuzulassen, verwende ich auch einen Mixer, einen Dörrautomat und selten auch eine Saftpresse. Gleichzeitig möchte ich verschiedene Lebensbereiche nach und nach immer natülicher gestalten, da sich alle Bereiche gegenseitig beeinflussen und im besten Fall unterstützen.

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Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum) stammt ursprünglich aus Südamerika, wächst aber schon seit etwa 500 Jahren auch in Europa. Ihre Blätter sind fast kreisrund und die Blüten leuchten in gelb, orange oder rot von Juni bis Oktober. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreichen Boden, ist ansonsten aber anspruchslos und mag auch den Schatten gerne. Allein erreicht sie eine Höhe von maximal 60 cm, sie kann aber auch an anderen Pflanzen in die Höhe klettern. In Europa ist die Kapuzinerkresse einjährig, während sie in Südamerika mehrjährig wächst. Ihre Samen bleiben mehrere Jahre keimfähig.

Salat mit Kapuzinerkresse und Borretsch

Salat mit Kapuzinerkresse und Borretsch

Sowohl die Blätter als auch die Blüten können gegessen werden und eignen sich wegen ihres leicht scharfen, kresseartigen Geschmacks besonders zum Würzen von Salaten und Aufstrichen.

Aufgrund ihrer schleimlösenden Eigenschaft empfiehlt es sich besonders bei Husten mehr von den leckeren Blüten zu essen. Auch bei Halsentzündungen wird die Kapuzinerkresse angewendet, da sie Senfölglykoside enthält, die eine leicht antibiotische Wirkung haben.

Auf emotionaler Ebene soll die Kapuzinerkresse die Lebensfreude fördern, kopfbetonte Menschen wieder ins eigene Körpergefühl führen sowie Ausgelassenheit und Unternehmungslust bringen.

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Sommerrezepte

Mit diesen Gerichten erfrischen wir uns im Sommer und nutzen die Vielfalt aus dem Garten!

Apfelfrühstück
500 g Äpfel
2 EL Mandelmus
100 ml Wasser
1 Messerspitze Hildegard Keks-Mischpulver (Zimt, Nelken, Muskat)
1 Messerspitze Kardamon
1 Messerspitze Vanille
1 TL Zimt

Alles mixen.

Zucchinilasagne

Zucchinilasagne

Zucchinilasagne

2 Zucchini
4 Tomaten
1 ½ Tassen Cashewkerne
1 Zitrone
1 Limette
1 Frühlingszwiebel
Salz
Hefeflocken

Cashewkerne über Nacht einweichen und das Einweichwasser wegschütten. Tomaten in Scheiben schneiden. Zitrone und Limette auspressen. Den Saft mit Cashewkernen, Frühlingszwiebel und Salz mixen. Eventuell etwas Wasser zugeben, falls die Masse sonst nicht gemixt werden kann. Zucchini mit dem Schäler oder Hobel in breite Streifen schneiden. Jeweils 4 Streifen überlappend auf einen Teller anrichten. Darauf eine Schicht Cashewcreme und dann eine Schicht Tomatenscheiben geben. Anschließend wieder eine Schicht von 4 überlappenden Zucchinischeiben daraufgeben und so weiterschichten bis die Zucchinischeiben aufgebraucht sind. Die oberste Schicht mit Zucchini abschließen und Hefeflocken darüber streuen.

Zucchiniröllchen

Zucchiniröllchen

Zucchiniröllchen
1 kleine Zucchini
1 Karotte
1 Zitrone
2 Avocados
1 Knoblauchzehe
Salz
1 Blatt Salbei

 

Zucchini mit dem Hobel oder dem Gemüseschäler in breite Streifen schneiden. Karotte fein hobeln. Übrige Zutaten mixen. Vordester Teil der Zucchinistreifen mit Avocadopaste bestreichen und Karotten darüber geben. Dann die Zucchini von der gefüllten Seite her zusammenrollen.

Gurkenschiffe
1 Salatgurke
150g Sonnenblumenkerne
50g Paranüsse
1 rote oder gelbe Paprika
1 Frühlingszwiebel
Salz
1 HV frische Kräuter
50 ml Olivenöl
5 Cocktailtomaten

Sonnenblumenkerne und Nüsse über Nach einweichen, das Einweichwasser wegschütten.
Gurke halbieren und aushöhlen. Kerne, Nüsse, Paprika, Frühlingszwiebel, Salz und Olivenöl mixen. Kräuter kleinhacken und zugeben. Die Creme in die Gurken einfüllen. Tomaten halbieren und auf den Schiffchen verteilen.

Brennnesselkakao

1 HV Brennnesseln
5 Bananen
2 EL Kakaopulver
2 Tassen Wasser

Mixen!

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Permakultur und Pflanzenkohle

Kräuterspirale

Kräuterspirale

Am 4. Juli trafen wir uns am späten Nachmittag in Dornbirn. Nachdem wir uns die zahlreichen Pflanzen, den neuen Folientunnel und die schön angelegten Hügelbeete angesehen hatten, machten wir es uns in der Sitzecke bei Obst und Salat gemütlich. Anschließend lernten wir wie man Pflanzenkohle herstellt. Als uns dann in der einbrechenden Dunkelheit Schwärme von Mücken überfielen, machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Folientunnel

Folientunnel

Pyrolyse

Pflanzenkohle entsteht durch die pyrolytische Verkohlung von pflanzlichen Ausgangsstoffen, in unserem Fall war es Holz.

„Die Pyrolyse bzw. pyrolytische Zersetzung ist eine thermo-chemische Spaltung organischer Verbindungen, wobei durch hohe Temperaturen (500–900 °C) ein Bindungsbruch innerhalb großer Moleküle in kleinere erzwungen wird. Im Gegensatz zur Vergasung und zur Verbrennung geschieht dies ausschließlich unter der Einwirkung von Wärme und ohne zusätzlich zugeführten Sauerstoff. Dadurch wird das Ausgangsmaterial nicht vollständig verbrannt, sondern verschwelt – es entsteht Kohle als Reststoff.“ (http://www.schwarzhumus.at/pyrolyse/)

Eingesetzt wird Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung, als Hilfsstoff für die Kompostierung und bei Komposttoiletten, wo sie vor Allem den Geruch bindet.

Utensilien für die Herstellung von Pflanzenkohle

Utensilien für die Herstellung von Pflanzenkohle

Herstellung

Befüllter Metalleimer

Befüllter Metalleimer

Zur Herstellung der Pflanzenkohle benötigt man zwei unterschiedlich große Metallkübel. Der kleinere Kübel hat im Boden und an der Seite im oberen Drittel Löcher im Abstand von ca. 7 cm. Er wird bis zu den seitlichen Löchern mit trockenem Material (z.B. Äste) befüllt und auf einen Grillrost gestellt, damit von unten Luft dazu kommt. Auf die Äste legt man Papier oder Späne zum Anzünden.

Nach dem Anzünden

Nach dem Anzünden

 

Nun sollte man das Papier von oben an möglichst vielen Stellen gleichzeitig anzünden, damit es gleichmäßig nach unten brennen kann. Sobald die Äste anfangen zu brennen, wird der 2. Kübel darübergestülpt. Dieser hat im Boden (der dann nach oben zeigt) ein Loch von etwa 10 cm Durchmesser. Durch die seitlichen Löcher sollte nun das Holzgas austreten, ohne dass dabei zu viel Sauerstoff zum Brennmaterial gelangt. Das Ganze lässt man dann brennen, bis das Feuer erlöscht. Dann muss sofort mit Wasser abgelöscht werden, damit die Kohle nicht verglüht und zu Asche wird.

Brennende Holzkohle

Brennende Holzkohle

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Ersatzproduke

Seit wir versuchen, gesünder, natürlicher, ökologischer, nachhaltiger und selbstbestimmter zu leben, hat sich einiges verändert. Nicht zuletzt haben wir auch das ein oder andere „normale“ Produkt durch Alternativen ersetzt. Meine 5 bewährtesten Ersatzprodukte möchte ich euch in diesem Beitrag vorstellen:

1. Zahnpasta

Wir verwendeten Elmex bis wir uns über Flour informierten. Dann stiegen wir um auf Zahncremen von Dr. Hauschka bzw. Weleda. Zuletzt verwendeten wir die Weleda Sole Zahncreme, bis wir im Internet einfache Rezepte für selbstgemachte Zahnpasten fanden. Wir verwenden hauptsächlich 2 Varianten.

1. Variante: 1 EL Kokosöl (flüssig – eventuell leicht erwärmen), 1 EL Salz oder Natron, 1 TL Zimt und 3 Tropfen Pfefferminzöl miteinander mischen und damit die Zähne putzen.

2. Variante: 1 EL Natron, 1 EL Heilerde und 1 EL Kuchen- und Keksgewürz (nach Hildegard von Bingen) mischen. Zahnbürste nass machen und in das Pulver tunken und damit die Zähne putzen.

Es empfiehlt sich nicht täglich Natron zu verwenden, da es den Zahnschmelz angreifen kann. Man kann Natron auch durch Salz ersetzen. Bei Karies wird außerdem häufig empfohlen etwas Xylit (Birkenzucker) zuzugeben. Statt Zimt kann auch Kurkuma verwendet werden, bzw. mit den beiden Gewürzen abwechseln, so schmeckt die Zahnpasta auch immer wieder ein bisschen anders. Wer homöopathische Mittel einnimmt, sollte übrigens auf Pfefferminzöl verzichten – man kann es einfach ersatzlos streichen.

Zwischendurch verwende ich auch ein Stück Miswak. Das ist ein Holzzweig, der zahnreinigende und -schützende Eigenschaften hat, wodurch keine Zahnpasta benötigt wird. Es wird einfach ein Ende gekaut, bis bürstenartige Fasern entstehen. Dann ist es zu verwenden wie eine Zahnbürste. Für mich persönlich ist Miswak eine super Ergänzung, aber kein vollständiger Ersatz für herkömmliche Zahnbürsten.

2. Deo

Das Gerücht, dass Rohköstler weniger unangenehme Körperausdünstungen haben, kann ich nur bestätigen. Dadurch reduziert sich auch der Deo-Verbrauch ganz von selbst. Dennoch führte uns auch hier der Weg von konventionellen Produkten über aluminiumfreie Alternativen bis zum Selbstgemachten: 1 TL Natron mit 100 ml Wasser mischen und ca. 10 Tropfen Zitronen- oder Limettenöl zugeben. Das Ganze kann einfach in eine Sprühflasche gefüllt werden.

3. Eis

Von konventionellem über biologisches und veganes Eis sind wir schließlich auch hier zum selbstgemachten Rohkosteis gekommen. Bananenstücke einfrieren, mixen, fertig. Variationen sind mit Vanille, Zimt, anderen Früchten, Nüssen, Kakao, Kräutern usw. möglich. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und das Eis schmeckt viel besser als gekauftes. Der einzige Nachteil ist, dass man einen starken Mixer benötigt. Alternativ kann man auch die Bananen zuerst mixen oder vermusen und danach einfrieren, allerdings leidet dann die Konsistenz darunter.

4. Schuhe

Früher trugen wir normale Schuhe. Während René immer bei der gleichen Marke blieb, welchselte ich häufig. Nachdem wir uns über natürliches Gehen, Ballengang oder auch Godo genannt informiert hatten, machten wir uns auf die Suche nach Schuhen, die dem Barfußgehen am Nächsten kommen. Wir sind bei der Firma leguano gelandet und ziehen gewöhnliche Schuhe nur noch bei starkem Regen, Schnee, zum Mountainbiken oder sonstigen Ausnahmesituationen an.

5. Kaugummi

Schon als Kind liebte ich Kaugummis und das ist auch heute noch so. Von Kaugummis mit Süß- und Aromastoffen wechselte ich zur biologischen Alternative, die es allerdings nur mit Zucker gab. Seit Kurzem kaue ich Weihrauchharz. Das ist zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig, für mich aber inzwischen ein vollwertiger Ersatz. Ich habe schon gelesen, dass man das Harz mit Pfefferminzöl mischen kann, ausprobiert habe ich das aber noch nie.

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Skeptizismus und Nihilismus

Was ist ein Skeptiker?

Skeptiker wird von Skepsis abgeleitet, was ursprünglich „Betrachtung, Untersuchung, Prüfung“ bedeutete. Ein Skeptiker ist jemand, der gründlich nachdenkt, um die Wahrheit herauszufinden. Er geht davon aus, dass die Wahrnehmung durch die Sinne die einzige philosophisch akzeptable Sachlichkeit ermöglicht, jedoch weiß er, dass unsere Sinne kein getreues Abbild der Welt liefern. Daher gibt es auch kein Wahrheitskriterium, das heißt keine Möglichkeit die Wahrheit herauszufinden. Zum Beweis einer Hypothese muss stets ein Urbeweis vorausgehen. Auch dieser Urbeweis müsste beweisbar sein. So kommt man zu einer unendlichen Kette von Beweisen. Außerdem gibt es zu jeder Behauptung eine gegenteilige Behauptung, die mit ebenso einleuchtenden Argumenten vertreten werden kann. Der Skeptizismus legt sich nicht fest, ob es etwas Wahres gibt. Skeptizisten machen nur Aussagen über die verschiedenen Aspekte einer Sache, über die nachgedacht wird. Sie stellen keine Behauptungen über wirkliche Sachverhalte auf, weil sie dafür einen Wahrheitsbeweis erbringen müssten, was ihnen nicht möglich ist. Die einzige Aussage die getroffen werden kann lautet: „Nichts ist sicher und nicht einmal das ist sicher.“

Der logische Nihilismus (lateinisch „nihil“ bedeutet „nichts“) geht noch ein Stück weiter und bestreitet, dass es überhaupt eine Wahrheit gibt.

Was hat dieses Thema auf einer Rohkostseite zu suchen?

Rohkost-Verwirrung

Noch Fragen?

Neben Philosophie habe ich mich auch schon immer für Ernährung interessiert, bin aber nie ganz schlau aus den ganzen widersprüchlichen Empfehlungen geworden. Mit der Rohkost hatte ich endlich das Gefühl, dass sich hier alle einig sind: Esst natürliche Lebensmittel und ihr werdet gesund sein. Einfach, logisch, natürlich. Je länger ich mich aber mit der Rohkost befasse, desto mehr Widersprüche finde ich. Einige davon möchte ich hier vorstellen, damit ihr mein Zwei-feln nachvollziehen und die Argumente falls erwünscht für euch prüfen könnt. Alle der genannten Personen haben mit ihrer speziellen Ernährungsweise schon vielen Menschen weiter geholfen. Übrigens sind die ersten beiden (Dr. Gerson und Dr. Budwig) keine Rohköstler, ich glaube aber, dass dies für die Argumentation keinen Unterschied macht.

1. Leinöl

Der amerikanische Arzt Dr. Gerson hat mit seiner Therapie, die ursprünglich für Krebspatienten entwickelt wurde, vielen Menschen das Leben gerettet. Die Basis bilden grüne Säfte, fettfreie Pflanzennahrung, Supplementierungen und Einläufe. Er machte die Erfahrung, dass Hautkrebs immer sofort zurückkehrte, sobald die Patienten irgendeine Form von Fett aßen (Öle, Avocados, Nüsse). Die einzige Ausnahme bildete Leinöl. Er konnte sich dieses Phänomen nicht erklären und testete zahlreiche weitere Öle, doch blieb Leinöl tatsächlich das einzige ohne negative Wirkung.

Auch die Öl-Eiweiß-Kost nach Dr. Budwig ehrt das Leinöl wegen seiner gesunden Omega-3-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und können vom Körper nicht selbst gebildet werden, weshalb sie mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.

Wie zahlreiche andere Rohköstler, esse auch ich täglich mein Leinöl. Umso erstaunter war ich, in „Das große Rohkostbuch“ von Angelika Fischer zu lesen, Leinöl sei kein Lebensmittel, da es cyanogene Glykoside enthalte, welche zu Blausäure aufgespalten werden. Blausäure hemmt unter anderem jene Enzyme, die für die Zellatmung benötigt werden, was zum Absterben der Zellen führt. Als weiteren negativen Punkt erwähnt die Autorin einen sehr geringen Vitamin-E-Gehalt im Leinöl.

2. Obst mit Fett

Rohkosttorte Mango-Erdbeer

Rohkosttorte Mango-Erdbeer

Aus der Seite „https://fruchtvegan.wordpress.com/“ entnahm ich folgende Informationen:

Einfache Kohlenhydrate sind leicht verdaulicher Kraftstoff. Der ganze Körper funktioniert hauptsächlich mit Zucker, und das Gehirn sogar ausschließlich. Bevor die Zellen des Körpers Lebensmittel als Treibstoff nutzen können, muss die Nahrung zunächst in Zucker umgewandelt werden, egal ob die zugeführte Nahrung aus Kohlenhydraten, Eiweiß oder Fett besteht. Wenn im Körper nicht genügend Kohlenhydrate vorhanden sind die in Zucker umgewandelt werden können, kann der Körper Fett und Protein in Zucker umwandeln, was jedoch giftige Rückstände hinterlässt.

Zucker wird oft für Candida verantwortlich gemacht, in Wahrheit sei aber überschüssiges Fett der Täter. Überschüssiges Fett im Blut hemmt die Produktion von Insulin und verklebt die Wände der Blutgefäße, sodass der Zucker nicht durch die Zellwand aus der Blutbahn hinein in die Zellen transportiert werden kann. Hefe, oder Candida, sind im Blut ständig präsent, und blühen auf wenn ein Überschuss von Zucker in der Blutbahn vorliegt, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Wenn der Zucker gleichmäßig verteilt ist und von den Zellen des Körpers verwendet wird, stirbt die Hefe schnell ab. Wenn jedoch der Fett-Spiegel dauerhaft hoch bleibt, muss Zucker in der Blutbahn verbleiben und füttert die Candida Kolonien anstelle der 18 Billionen Zellen des Körpers die versorgt werden sollten. Weil alle Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß, die wir essen in einfachen Zucker (Glukose) umgewandelt werden, und wir Zucker in großen Mengen brauchen, ist der Ausweg nicht weniger Zucker zu essen, sondern weniger Fett. Wenn der Fettkonsum nachlässt kann der Zucker verarbeitet und verteilt werden, und die Candida-Kolonien lassen ebenfalls nach.

Auch Dr. Gerson rät Fett komplett zu meiden (bis auf das erwähnte Leinöl) und beschreibt, dass Lust oder sogar ein Heißhunger auf Fett von einer zu geringen Kalorienzufuhr kommt. Er empfiehlt große Mengen an Gemüse und Obst zu essen.

Jean Huntziger beschreibt in seinem Buch „Die bioklimatische Rohkost“, dass der Körper nur sehr geringe Mengen an Zucker benötigt und alles was darüber hinaus geht schädlich für den Organismus ist. Der Mitteleuropäer sei längst nicht mehr an die Tropen angepasst (wo es viele Früchte gibt) und sollte im Sommer wenig Obst essen, im Winter gar keines. Auch dass Früchte hochgezüchtet und damit künstlich süß gemacht sind, stellt ein Problem dar. Um die schädigende Wirkung des Zuckers abzuschwächen empfiehlt er, nach einer Obstmahlzeit Fett zu essen.

Bruno Weihsbrodt ernährt sich sowohl von Früchten als auch von Fett, kombiniert diese aber niemals. Früchte gibt es zum Frühstück und danach maximal bis 16:00 Uhr, aber vorzugsweise für sich allein gegessen. Nach einer fettreichen Mahlzeit gibt es kein süßes Obst mehr.

3. Kombinationen

Bruno Weihsbrodt empfiehlt, Fett nicht mit Zucker zu kombinieren, weil sie unterschiedlich schnell verdaut werden und der Zucker dadurch gären kann. Getreide mit Obst sei noch schlimmer und führe sogar zu Krebs, da sich bei der Verdauung dieser Kombination unter anderem Fuselalkohole bilden. Weiters sollen keine verschiedenen Früchte miteinander kombiniert werden (bis auf wenige Ausnahmen wie Datteln und Bananen), da sich die verschiedenen Säuren nicht vertragen… Grünzeug kann mit allem kombiniert werden. Generell sollen schnellverdauliche Sachen zuerst gegessen werden und Lebensmittel die länger brauchen erst danach mit etwas Zeitabstand.

Angelika Fischer ist der Meinung, dass mittelsüße Früchte mit süßen Früchten und Öl kombiniert werden können, sehr süße Früchte kann man zusätzlich mit Nussfrüchten kombinieren, nicht aber mit Fettfrüchten (Avocados), saure Früchte nur mit Blattgrün, tierischem Eiweiß und Gewürzen, Gemüse nicht mit Fett oder Obst usw.

Laut Jean Huntzinger darf man Trockenfrüchte, Honig und Zucker mit Fett mischen, nicht aber mit Nüssen. Diese soll man nur mit Gemüse und frischen Früchten mischen. Auf Blattgrün wird in seinen Ausführungen überhaupt nicht eingegangen.

4. Rohes Getreide

Wird Getreide mit Wasser vermischt, entsteht dabei Gluten, das im Verdacht steht Entzündungen im Darm hervorzurufen, und das wahrscheinlich auch bei Menschen die nicht an Zöliakie leiden. Durch Entzündungen werden auch Giftstoffe aus dem Darm ins Blut aufgenommen, die ansonsten ausgeschieden würden.

Bircher-Benner hat mit seiner Ernährungsform, die insbesondere den Frischkornbrei aus Getreide – noch dazu in Kombination mit Obst – beinhaltet trotzdem zahlreiche Menschen von ihren Krankheiten befreien können.

Jean Huntzinger empfiehlt Getreide im Winter nur einzuweichen, es im Sommer aber keimen zu lassen. Besonders im Winter sei die wärmende Wirkung des Getreides wichtiger als die möglichen Schadstoffe.

Angelika Fischer ist der Meinung, dass Getreide wegen des Glutens und wegen eines geringen Lysingehaltes zwar problematisch ist, empfiehlt aber 3 Tage lang eingeweichten Hafer zu essen, da dieser weniger Gluten und mehr Lysin als die anderen Getreidesorten enthält.

Bruno Weihsbrodt meidet Getreide auch deshalb, weil es im Rohzustand Giftstoffe gegen Fressfeinde beinhalte, wobei auch er einräumt, dass Hafer noch das Verträglichste ist.

5. Bitterstoffe

Lange Zeit glaubte ich, dass sich wenigstens in einem Punkt alle Rohköstler einig sind: So viel Pflanzengrün wie möglich! Besonders Wildpflanzen enthalten neben einer enormen Nährstoffdichte auch Bitterstoffe, die bei Kulturpflanzen herausgezüchtet wurden. Bitterstoffe regen den Stoffwechsel an und stärken die Leber, ein wichtiges Entgiftungsorgan. Das finden doch sicher alle toll, oder? Weit gefehlt! Da wir uns auf unseren Instinkt verlassen sollen – schließlich weiß unser Körper am besten was ihm gut tut – wählen wir doch automatisch süße Früchte und nur wenig Bitteres. Ein bitterer Geschmack könne ein Hinweis auf enthaltene Giftstoffe sein und darf daher als Warnsignal des Körpers nicht übergangen werden. Wenn es gesund wäre, würde es uns auch schmecken!

Zumindest in diesem Punkt konnte ich für mich ein wenig Klarheit verschaffen. Nachdem ich nun regelmäßig Wildkräuter gegessen habe, finde ich bitter überhaupt nicht mehr abstoßend, sondern sogar angenehm! Allerdings erreiche ich manchmal eine Grenze, ab der ich keinen Bissen Grünes mehr herunterbekomme. Offen bleibt die Frage, ob es gut ist, seinen Körper an etwas zu gewöhnen – immerhin fand ich früher auch gekauftes Eis sehr lecker, weil ich es eben gewohnt war. Heute schmeckt es mir nicht mehr.

Welchen Rat kann ich euch also geben?

Frohe Früchte

Bitte lächeln!

Leider keinen! Denn für mich habe ich festgestellt, dass ich die Wahrheit niemals im Außen finden kann. Ob ich sie in mir finden kann, weiß ich noch nicht, doch ist das momentan für mich nicht mehr relevant. Durch die Auseinandersetzung mit dem Nihilismus, der bei mir unweigerlich auf diese Widersprüche folgte, bin ich wieder einmal bei folgenden Ansätzen gelandet: Ich kann nicht wissen was stimmt, noch kann ich wissen ob es überhaupt eine Wahrheit gibt. Weder habe ich ein Labor, noch 1000 Testpersonen, noch 50 Jahre Erfahrung usw. Dies verschafft mir nach überwundener Ratlosigkeit eine große Freiheit! Ich kann nun unabhängig von fremden Meinungen genau das tun was ich will. Ich kann frei entscheiden, welche Lebensmittel ich zu welcher Zeit esse, wie ich sie miteinander kombiniere, ob ich roh oder gekocht esse und ob ich auf Warnsignale meines Körpers achte. Damit übernehme ich die Ver-antwortung für meine Ernährung und schiebe sie nicht auf irgendwelche Experten ab. Ver-antwortung bedeutet hier, dass mein Körper mir antworten wird. Wie ich mit den Antworten umgehe, ist wiederum meine freie Wahl. Diese Erkenntnisse sind für mich eine große Erleichterung und sorgen für Entspannung und Freude. Ich vertraue darauf, dass in meinem Leben immer genau das Richtige passiert und erinnere mich daran, dass man das Leben nicht immer all zu ernst nehmen muss. Jetzt kann ich über die Widersprüche lachen und ganz entspannt meinen Salat mit Leinöl oder Datteln mit Mandeln essen. Übrigens betonen auch viele der erwähnten Personen, dass zur Gesundheit weit mehr gehört als nur die richtige Ernährung und sie sind sich auch dessen bewusst, dass niemand mit Sicherheit sagen kann, welches die beste Ernährungsform für den Menschen ist. Bewegung, Liebe, Lebensfreude und Selbstverwirklichung sollten eine wichtigere Rolle spielen als das tägliche Rohkostbrot.

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