Der Frühling ist da.

Es folgt ein Gastkommentar von Christoph Riedmann.

Ich bin froh, dass der Frühling nicht mit Gewalt kam, wie es in den letzten Jahren oft geschehen ist und wie es dem Charakter des Mars entspräche. Die kühle Witterung hat die Pflanzenentwicklung etwas verzögert, sie ist jetzt in Übereinstimmung mit der Zeitqualität des archetypischen Jahreslaufes. So blieb Zeit zur Akklimatisierung und es gab genug Niederschlag um das frühlingshaft-dynamische Wachstum der Pflanzen nachhaltig zu ermöglichen. Es ist die Zeit der größten Vitalität und Spannkraft, der schnellsten Aufwärtsbewegung von Sonne und Pflanzenwelt.

Viele Knospen (etwa die des Weiß- und Schwarzdorns, des Holunders, der Mirabellen, Brom-, Him-, Stachel- und Johannisbeeren) haben sich schon entfaltet, alles drängt nach oben und außen. Das ist die Dynamik des Mars wie sie auch in seinem Symbol (dem Symbol für Mann/männlich und zweijährige Pflanzen) zum Ausdruck kommt. Er regiert das arterielle (nach außen strömende, rote sauerstoffreiche) Blut, den Ausatem (Sprache=Selbstausdruck, Husten und Niesen als Ausdruck der körpereigenen Abwehr), den Schweiß (der durch körperliche Aktivität entsteht und animalisch riecht), Galle und Bauchspeicheldrüse, die ableitenden Harnwege und die männliche (nach außen drängende) Sexualität. In der frühlingshaften Pflanzenwelt kommt er in den die Erdoberfläche durchstoßenden Trieben, etwa den lanzettlichen Blättern des Bärlauchs und den spitzen bis speerspitzenförmigen (etwa Pappel, Buche, Hainbuche, Traubenkirsche, Ahorn) Knospen zum Ausdruck.

Die Brennnessel ist eine Marspflanze par excellence, was sich etwa in den nadelförmigen Brennhaaren mit ihren durchblutungsfördernden Wirkungen, den scharf gezähnten Blättern, rötlichen Stängeln und dem aggressivem Wuchsverhalten ausdrückt. Auch ihre stärkenden Wirkungen auf Harnwege, Prostata, männliche Geschlechtsorgane, Willenskraft, Immunsystem und Beweglichkeit entsprechen Mars. Jetzt im Widdermonat ist die beste Erntezeit für Brennnesselblätter und -wurzeln. Geerntet werden die Triebspitzen mit 1-3 Blattpaaren (oder die ganze Pflanze samt Wurzel falls man <deren Ausbreitung in Schach halten will und/oder> die Wurzel, die speziell als Heilmittel für Prostata und Haare gilt, benötigt). Die Blätter können für die Teeanwendung getrocknet oder frisch für Suppen, Salaten und Pestos verwendet werden.

Der Aronstab (Arum maculatum) ist die erste Pflanze, die im Frühling mit ihren pfeilförmigen Blättern die Laubschicht unserer Laub- und Mischwälder durchdringt. Aronstab schmeckt brennend scharf, was offenbar auf winzige nadelartige Kalziumoxalatkristalle, die sich bei Genuss in die Schleimhäute bohren, zurückzuführen ist. Diese Substanzen sind auch in Frühblühern wie Osterglocken, Tulpen und Hyazinthen enthalten. Früher Austrieb, brennend-scharfer Geschmack, pfeilförmige Blätter und scharlachrote Früchte sind Marssignaturen. Gekrönt werden die Entsprechungen durch den braunroten, keulenartig oben verdickten, an einen Phallus erinnernden und von einem scheidenartigen Hüllblatt (Spatha) umgebenen Blütenkolben (Spadix). Sogar das Phänomen der im Verhältnis zur Außentemperatur bis zu 20 Grad höheren Temperatur im Innern des besagten Blütenstandes Spadix entspricht diesem Zusammenhang. So galt Aronstab als potentes Aphrodisiakum. Im Blütenstand kann man auch einen aufgerissenen Rachen mit entzündeter Mandel sehen und tatsächlich wird Aronstab (heutzutage homöopathisch) gegen Mandel- und Rachenentzündungen verwendet. Früher galt er als vielseitiges Heilmittel (Hildegard von Bingen empfiehlt ihn gegen faulige Geschwüre/Eruptionen, Gicht, Lähmungen, Fieber und Melancholie, auch Paracelsus behandelte Hautgeschwüre und Lähmungen, außerdem Knochenbrüche, Wunden  und Sodbrennen damit) und als stärkereiche Nahrungspflanze. Als solche gilt er Angehörigen anderer Kulturen noch immer, manche Migranten sammeln auch hierzulande Aronstab zu Nahrungszwecken. Durch längeres Kochen verliert er seine Schärfe und Giftigkeit, der Geschmack ist dann angenehm mild und etwas schleimig. Zehrwurz hieß die Pflanze weil sie sich zum Verzehr eignet und weil sie gegen Auszehrung verwendet wurde; die Namen Lungen-, Magen- und Zahnkraut, sowie Podagra-, Fieber- und Frostwurz zeugen von ihrer großen ehemaligen Bedeutung als Heilpflanze. Weitere Namen wie Pfaffenpint, Lords and Ladies, Adam and Eve und cuckoopint beziehen sich auf die erotische Signatur des Blütenstandes.

Bittere Frühlingspflanzen wie Löwenzahn, Schöllkraut, Milzkraut und Erdrauch regen Leber, sowie die dem Mars zugeordnete Galle und Bauchspeicheldrüse an. Die tief geteilten (gezähnten) Blätter des Löwenzahn sind eine Marssignatur. Jetzt ist eine gute Erntezeit für alle Pflanzenteile, die Wurzel ähnelt der Bauchspeicheldrüse (und diese den männlichen Geschlechtsorganen), ihre anregende Bitterwirkung ist jetzt im Frühling am stärksten. Blätter eignen sich für Frühlingssalate und –pestos, mit den Blüten wird der beliebte Löwenzahnhonig hergestellt. Der orangerote Milchsaft des Schöllkrauts erinnert an Galle, schmeckt ätzend scharf und bitter wie diese und dürfte eines der wirksamsten Gallemittel sein.

Die lanzettlichen Knospen des blutroten Hartriegels (Cornus sanguinea, einer der häufigsten Wildsträucher) gelten als durchblutungsfördernd und gerinnungshemmend und werden bei Erkrankungen des Herzens und der Gefäße eingesetzt. Das entspricht der Signatur der vor allem im Herbst und Frühling rotgefärbten, an Arterien erinnernden, Zweige.

Die speerspitzenförmigen Pappelknospen schmecken betäubend scharf und bitter. Sie stärken die dem Mars zugeordneten Abwehrkräfte und das (arterielle) Blutsystem. Wie Weide und Esche enthält die Pappel schmerzstillende und entzündungshemmende Salicylate. Die ersten Pappelknospen entfalten sich jetzt und damit verwandelt sich die Signatur des Widder-Mars (orangerotbraun, hart, spitz und scharf) in die der Stier-Venus (ausgebreitet, rundlich, weich und lichtgrün). Ganz allgemein kommen in der Natur die Polaritäten immer gemeinsam vor. Es gibt kein Yang ohne Yin, kein Oben ohne Unten, keinen Himmel ohne Erde, kein Außen ohne Innen, keinen Tag ohne Nacht und keinen Mars ohne Venus. Männliche ohne weibliche Sexualität ist weit weniger als eine halbe Sache. So ergänzen sich Mars und Venus auch im menschlichen Organismus (arterielles und venöses Blutsystem, Blase/Harnröhre und Niere/Nebenniere, Zähne und Lippen, Kopf und Hals, Aus- und Einatmung, Penis und Vagina) und in der Pflanzenwelt. Der WidderMarsMonat mit seiner feurigen, nach oben und außen drängenden Dynamik wurde in alteuropäischen Traditionen mit venusartigen Frühlingsgöttinnen wie Freya, Ostara (Eàstre), Brigid, Ceridwen, Perchta und Holle assoziiert. Er wird von vielen Venuspflanzen geschmückt und versüßt, etwa dem Duftveilchen (Märzenveilchen, Viola odorata) mit seinem betörenden Duft, seinen wohltuenden physischen und psychischen Heilwirkungen, anmutigen Blüten und herzförmigen Blättern. Das Duftveilchen eignet sich für vielfältige kulinarische, kosmetische und medizinische Anwendungen, die ich an dieser Stelle Ihrer Fantasie, Experimentierfreude und Ihrem Forschergeist überlasse.

Die Blütenfarben vieler frühblühender Kräuter (etwa Leberblümchen, Lungenkraut, Lärchensporn, Veilchen, Ehrenpreis, Krokus, Frühlingsplatterbse, Gundelrebe, Taubnessel, Immergrün) bewegen sich zwischen Blau (Venus) und Rot (Mars). Auffällig ist auch, dass das Grün (Venus) vieler Blätter und Stängel im Frühling ins komplementäre Magenta spielt.

Venuspflanzen sind lieblich anzusehen, duften angenehm, schmecken mild und süß und wirken auf venöses Blutsystem, Hormonsystem, Nieren, weibliche Geschlechtsorgane und Haut (Schönheit). Neben dem herzerfreuenden Veilchen sind das etwa Primeln, Gänseblümchen, Himbeerblätter und die Blüten von Kirsch-, Pflaumen-, Marillen-, Pfirsich-, Apfel- und Birnbäumen. Da sich zurzeit viele Knospen (etwa der zuletzt genannten Obstbäume) entfalten, neigt sich die Knospenzeit dem Ende zu. Es sind die letzten Gelegenheiten in diesem Jahr Knospen oder knospentragende Zweige zu ernten. Stellt man solche Zweige zuhause in ein Gefäß mit Wasser kann man hautnah die Entfaltung der Knospen miterleben. Das ist eine wunderbare Möglichkeit die entsprechenden Bäume besser kennen zu lernen und man kann bei Bedarf oder Interesse jederzeit Knospen/Blätter/Blüten naschen oder anderweitig verwenden. Viele Knospen besitzen Hautheilwirkungen (etwa die der Eiche, Birke, Ulme, Walnuss) und entsprechen insofern der Venus. Wie die marshafte Brennnessel durch ihre Reinigungswirkung Haut und Haare heilen und stärken kann, ist die männliche Eiche nicht nur ein Tonikum für die Manneskraft (Mars) sondern auch ein entzündungshemmendes, blutstillendes, antiseptisches und granulationsförderndes Heilmittel für die Haut (Venus), ideal für nässende Ekzeme, Entzündungen der Haut und Schleimhaut (etwa im Genital- und Analbereich) und rezidivierende Herpesbläschen.

Auch Ulmenknospen sollen gegen juckende, nässende Ekzeme, außerdem gegen (entzündete) Ausschläge, eitrige oder schlecht heilende Wunden und (infolge ihrer Wirkung auf die Talgdrüsen) gegen Akne helfen.

Die samtigen kugel- bis kegelförmigen Walnussknospen (reife Blütenknospen erinnern an Pinienzapfen) mit ihrem Walnuss-Bittermandel-Aroma und scharfem Geschmack stärken Leber, Galle und  Bauchspeicheldrüse (Mars), regen dadurch die Entgiftung (vor allem über die Lymphe) an und helfen gegen verschiedene Hautleiden (Akne, Psoriasis, Neurodermitis, Ekzeme und Entzündungen).

Die Knospen der Rosskastanie sind die größten unter den heimischen Bäumen und gelten aufgrund ihrer entzündungshemmenden, abschwellenden, kapillarstärkenden Wirkung als das Mittel der Wahl bei vielen Venenleiden, etwa bei schweren geschwollenen Beinen, Besenreisern, Varizen, Hämorrhoiden und selbst bei Thrombosen, chronisch-venöser Insuffizienz und Ulcus cruris.

Die Birke ist der Venus- und Frühlingsbaum schlechthin, auch ihre Knospen stehen kurz vor der Entfaltung. Das ist die beste Erntezeit sowohl für die Knospen als auch für den Birkensaft. Beiden wird eine umfassende reinigende und vitalisierende Wirkung bescheinigt, die die Lebensgeister anregen, Niere, Blase, Immunsystem und Leber stärken, die Haut verschönern und Gelenkbeschwerden lindern soll.

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