Bruno berichtet … Bei -34 Grad!

Meine Leidenschaft ist das Laufen.

Ich bin immer auf der Suche nach Wohlbefinden und einer auf meine Person abgestimmte Ernährung.

1978 habe ich mich für die französische Nationalmannschaft in der Leichtathletik-Disziplin Gehen qualifiziert. Ich nehme an zahlreichen internationalen Wettkämpfen teil. Ich laufe zudem Marathon und 100 km Läufe.

1979 als ich für die Olympischen Spiele von Moskau in der Vorauswahl war, beginnen meine Gesundheitsprobleme, Ischias- und Kreuzschmerzen, Sehnenentzündungen, Bänderrisse usw. Ich wende die klassischen Behandlungsmethoden an, Cortison, Mesotherapie, Chiropraktik.

Ich setze das Laufen fort, höre aber mit den Wettkämpfen im Gehen auf, die besonders strapazierend für den Rücken und die Hüften sind. Die Schmerzen verschwinden… und kehren zurück. Über mehrere Jahre hinweg. Ich muss sagen, dass ich wie alle Sportler aß, mit großen Mengen Kohlenhydraten, Nudeln vor den Wettbewerben.

1987 lerne ich bei einem Instinctotherapie-Praktikum, die damals als Nonplusultra galt, Jean Huntziger kennen. Wenige Tage später beginne ich mit der Rohkost nach „Burger-Art“. Das ist super! Ein Genuss, so viel Obst zu essen.

Nach zwei Monaten Praktik, die haargenau ohne Ausschweifungen an den Kochtopf befolgt wird, finde ich mich mit einem Gewichtsverlust von 11 kg und völligem Energieverlust wieder. Als I-Tüpfelchen habe ich überhaupt keine Lust mehr zu laufen, meine Sehkraft lässt nach (was in meinem Fall extrem gravierend ist, da ich von Geburt her unter AMD (altersbedingter Makuladegeneration) leide und insgesamt fehlt mir der Antrieb, mich zu bewegen. Ohne die Kreuz- und Ischiasschmerzen zu vergessen, die zurückgekehrt sind.

Ich fahre für 3 Wochen nach Montramé, dem Kurzentrum von Burger, um die Methode besser anzuwenden. Burger besteht auf der Wichtigkeit, bis an die instinktive Grenze zu gehen. Im Schloss verspeise ich kiloweise Bananen, Datteln und all die schönen Früchte, die sich meiner Naschhaftigkeit (Entschuldigung, meinem Instinkt) am Essenstisch darboten. Mein Gesundheitszustand wird von Tag zu Tag schlechter.

Ich falle auf 48 kg zurück. Ich bin 1,70 m groß und mein Gewicht in Bestform liegt um die 60 kg herum.

Ich kehre ins Elsass zurück und fange wieder an, Gekochtes zu essen. Mein Zustand bessert sich, ich nehme Gewicht zu. Da ich damals zu der Vereinigung Pandora gehörte, vertrauten andere Mitglieder mir ihre Probleme mit den Früchten an.

Auf Anraten von Jean kehre ich zur Rohkost zurück und ersetze die Obst-Gerichte durch Gemüse-Gerichte. Nach einigen Monaten laufe ich wieder 120 km pro Woche. Mein Gewicht hat sich auf 58 kg eingependelt. Ich habe mich noch nie so vital gefühlt. Meine Tage beginnen um 5:30 Uhr mit dem Laufen und enden spät abends nach stets intensiver Aktivität.

Dann beschließe ich nach 13 Monaten völliger Rohkost-Ernährung – im Gegensatz zu den meisten Rohköstlern, die es in die Tropen zieht – meine Ernährung in der Kälte und unter extremen Bedingungen zu testen.

Und, mir nichts, dir nichts, entscheide ich mich für den großen kanadischen Norden, im Winter, um das Ganze noch spannender zu machen, wenn die Temperaturen auf dem Tiefstpunkt stehen.

Ich lande auf dem Flughafen von Québec am 25. November 1988. Die Temperatur beträgt hier -18°. Meine Freundin wartet in der überhitzten Ankunftshalle auf mich. Wir durchqueren die Stadt. Die Leute sind draußen, es hat ein Erdbeben gegeben!

Nach einer ausgiebigen Nachtruhe ziehe ich meine Adidas, eine Hose, ein Damart-Unterhemd und Handschuhe an. Es ist 7 Uhr morgens, -22° kalt und kein Fußgänger auf der Straße, nur große amerikanische Autos. Nach einigen gelaufenen Kilometern in einem riesigen Park ist mir warm und ich ziehe meine Handschuhe aus. Die Spaziergänger in ihren dicken Pelzjacken sind erstaunt, mich in meiner dünnen Kleidung zu sehen. Die Einwohner von Québec sind Lebenskünstler, essen viel Fleisch und trinken Whisky, um sich aufzuwärmen.

In den überhitzten Geschäften fühle ich mich unwohl, ich muss ins Freie gehen. Meine Freundin, die seit einigen Monaten Instincto isst, bringt jeden Abend einige Kilo Obst mit. Sie sind hier sehr günstig aus Kalifornien. Ich esse Lachs, Karibu-Fleisch und Bio-Gemüse.

… und beginne die Erfahrung von Obst bei niedrigen Temperaturen. Ein paar Weintrauben und zwei Bananen… und schon habe ich das erste Frösteln und überhaupt keine Lust mehr, nach draußen zu gehen! Mir wird schnell klar, dass Zucker in diesem kalten Land keinen Platz hat. Übrigens ertrage ich diese Stadt mit ihren riesigen Geschäften nicht mehr.

Ich brauche große Weiten und Natur.

Ich trockne Lachs und Karibu-Fleisch und kaufe nicht denaturierte Pekannüsse.

Ich nehme als einziges Gepäck meinen Rucksack mit und verlasse die Stadt Québec per Anhalter.

Es ist -27° kalt und der 7. Januar, der kälteste Monat. Die Autofahrer sind überrascht, mich mit meinen Adidas auf der Straße zu sehen. Ich fahre in Richtung James Bay. Am Abend schlage ich mein Lager unter einer Konifere auf, neben einem Feuer in meinem super Schlafsack aus Gansfedern.

23. Januar. Über Nacht sind 35 cm Schnee gefallen. Wir haben -30°. Meine Nahrungsmittel sind eingefroren. Ich brauche eine halbe Stunde, bis es mir gelingt, ein Stück Karibu herunterzuschlucken. Ich betrete ein Indianer-Reservat, wo ich einige Tage verbringe. Hier richten Alkohol und Heroin alles zugrunde. Ich lerne einen Indianer kennen und gehe mit ihm 8 Tage auf Jagd. Wir legen auf dem Schneemotorrad 150 km zurück und lassen uns in einer Hütte mitten im Wald nieder. Ich habe keine Lebensmittel mehr und bin vollkommen aufs Überleben angewiesen. Der Indianer stellt seine Fallen auf. Ich brauche zwei Tage, um das Eis des Sees zu durchbohren, das 1,50 m dick ist. Ich fang Lachse und Hechte, die ich gleich vor Ort verspeise. Das Fleisch gefriert in wenigen Minuten. Ich trage immer noch meine Adidas, mit einem Overall aus Baumwolle und einer Goretex-Jacke. Der Indianer hat ein junges Karibu erlegt. Ich esse in einem Rutsch das Herz, die Leber und eine Keule unter den erstaunten Augen meines indianischen Freundes! Ich muss sagen, dass mein Organismus Hunger hatte, großen Hunger. Die Fragen sind somit überflüssig und die Antworten klar.

2. Februar. Das Radio kündigt –34° an, die Jagd war gut!

Anfang März Rückkehr in die Stadt Québec. Ich stopfe mich mit Früchten voll und das ist die Hölle. Frösteln, die Nase läuft, ich verbringe meine Tage im Inneren, neben der Heizung. Nach mehreren Erlebnissen dieser Art, bin ich überzeugt, dass man nicht richtig mit Obst in einem Land leben kann, in dem es nicht wächst.

23. Februar. Ich kehre in meine Heimat Sundgau zurück, nachdem ich eine große und aufregende Lebenserfahrung gemacht habe.

Meine Schlussfolgerung:

Wir sollten Früchte in dem Land essen, wo sie wachsen und wenn sie reif sind, denn das ist das Naturgesetz!

Ich bedanke mich bei Jean Huntzinger, dass wir seinen Beitrag von Bruno hier teilen dürfen.

Hier findet ihr den Orginaltext bei Jean Huntzinger.

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.