Rohkost ist gleich Rohkost? Falsch!

Rohkostrichtungen gibt es beinahe so viele wie Rohköstler, entwickeln doch die meisten mit der Zeit ihr eigenes „System“. Es ist nahezu unmöglich alle Richtungen vorzustellen, doch im folgenden Text habe ich für euch einen kurzen Überblick über die gängigsten zusammengestellt.

Instincto

Die Instincto-Therapie wurde von Guy-Claude Burger gegründet, der davon ausgeht, dass jeder Mensch noch einen funktionierenden Instinkt besitzt, der ihm genau zeigt welche Lebensmittel er essen soll und welche nicht. Bei der Instincto-Therapie wird intensiv am Essen gerochen, und dann das Lebensmittel ausgewählt, das am besten riecht. Davon wird dann soviel gegessen, bis man einen körperlichen Widerstand dagegen verspürt, wie zum Beispiel ein Brennen auf der Zunge.

Durch Erhitzen oder Mischen der Zutaten wird der Instinkt ausgeschalten bzw. übergangen. Burger empfahl ursprünglich auch den Genuss von tierischen Produkten, mit Ausnahme von Milch und Milchprodukten. Selbst Fisch, Fleisch und Eier wurden roh verzehrt. Er machte die Beobachtung, dass manche Krankheiten erst durch den Konsum von rohem Fleisch geheilt werden konnten. Nachdem seine Frau an Krebs starb und auch weitere seiner Anhänger durch hohen Fleischkonsum an Krebs erkrankten und durch Weglassen von Fleisch wieder gesund wurden, empfahl er Fleisch nur selten zu verzehren, da hier anscheinend der Instinkt nicht richtig funktioniert oder es zu einem Suchtverhalten kommt. Rohe Eier und Honig empfiehlt er weiterhin.

Instinctos lutschen morgens Cassia (eine abführende und entgiftende Pflanze) und trinken viel Wasser. Mittags gibt es eine Auswahl an Obst, Honig und Trockenfrüchten und abends werden Gemüse, Avocados, Eier und Nüsse verzehrt. Damit wird auch eine Trennkost eingehalten, die unterschiedliche Verdauungsgeschwindigkeiten der einzelnen Lebensmitteln beachtet.

Gourmet-Rohkost

Die Gourmet-Rohkost setzt darauf, geliebte gekochte Gerichte in Rohkost-Qualität nachzubauen. Hier gibt es rohes Knäckebrot, rohen Kuchen, roh-veganen Käse, Pizza, Spaghetti, Eiscreme, Schokolade und was das Herz sonst noch begehrt. Hier wird gedörrt, getrocknet, gekeimt, gemixt, eingeweicht, vergoren und mariniert. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, die einzige Regel ist, dass nichts über 42°C erhitzt wird. Die allermeisten Gerichte sind auch vegan. Der Vorteil dieser Form der Rohkost ist, dass ein Umstieg relativ leicht fällt, da man seine Lieblingsgerichte nicht aufgeben muss. Dem gegenüber steht, dass der Kombination von Lebensmitteln (zum Beispiel fett- und zuckerreiche Lebensmittel) keine Beachtung geschenkt wird und meist zu viele getrocknete und süße Lebensmittel gegessen werden. Üblich ist hier auch ein hoher Fettanteil durch den häufigen Verzehr von Nüssen.

80-10-10

80-10-10 bezieht sich auf das Verhältnis der aufgenommenen Kalorien. 80% sollten aus Kohlenhydraten stammen, die sich hauptsächlich in Früchten befinden, 10 % aus Fetten wie Avocados, Nüsse oder Öl und 10 % aus Eiweiß aus Algen, Blattgrün oder Nüssen. Bei der auch als „high carb low fat“ bezeichneten Rohkostrichtung ist die Aufnahme von Pflanzengrün essenziell, da Früchte stark entgiften und der enthaltene Zucker dem Körper Mineralstoffe entzieht. Blattgrün liefert dem Körper genau diese Mineralstoffe, ohne dies es sonst häufig zu Haarausfall und Zahnproblemen kommt. Da grünes Blattgemüse und Kräuter kaum Kalorien haben, kann man sie in großen Mengen verzehren und dabei immer noch 80% der Kalorien aus Früchten beziehen. Die Angst vor einem zu hohen Blutzuckerspiegel sei bei dieser Ernährungsform übrigens unbegründet, da die Erfahrung zeigt, dass erst durch den Verzehr von zu viel Fett (also über 10 %) den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Da der Körper Zucker als Treibstoff benötigt, kann er sowohl Fett als auch Eiweiß in Zucker abbauen, was aber Rückstände hinterlässt. Befindet sich zu viel Fett im Blut, wird die Produktion von Insulin eingeschränkt und die Wände der Blutgefäße verklebt, wodurch der Zucker nicht in die Zellen hineingelangt. Es entsteht also ein Zuckermangel in den Zellen, und ein Zuckerüberschuss im Blut. Da ein hoher Blutzuckerspiegel für den Körper gefährlich ist, muss dieser von Candida oder Hefen wieder abgebaut werden, wodurch es zur Candidainfektion kommt. Wird der Fettkonsum reduziert, gelangt demnach der Zucker wieder vom Blut in die Zellen und stellt für den Körper keine Gefahr mehr dar.

Low Carb High Fat

Das Gegenstück zur „High Carb Low Fat“ Bewegung. Die Vertreter dieser Richtung essen meines Wissens nach viele tierische Produkte. Der Vorteil einer solchen Ernährung hat sich mir noch nicht erschlossen, allerdings habe ich auch bei meinen Recherchen nicht viel darüber gefunden. Sollte jemand ein Experte auf diesem Gebiet sein, würde ich mich sehr über einen informativen Kommentar oder ein E-Mail freuen!

Fructarier und Sonnenköstler

Fructarier oder auch Frutarier ernähren sich überwiegend von Früchten. Dies hat einen ethischen Hintergrund, da Frutarier neben Tieren auch keine Pflanzen töten wollen, und daher nur das essen, was die Pflanzen von sich aus hergeben, also reife Früchte und Beeren. Zu Früchten zählen übrigens auch Tomaten, Avocados, Gurken oder Paprika. Durch das Fehlen von Blattgrün und Kräutern riskiert man aber einen Nährstoffmangel und Zahnprobleme. Für Frutarier die allerdings auch den Verzehr von Blättern akzeptieren (dabei wird die Pflanze ja auch nicht getötet) dürfte dies aber kein Problem darstellen. Auch Sonnenköstler ernähren sich auf diese Weise, jedoch steht hier das „Sonnengereifte“ stärker im Mittelpunkt als das „Lebenlassen“. Bei der Sonnenkost wird neben dem Essen auch großen Wert darauf gelegt, sich viel an der frischen Luft und in der Sonne aufzuhalten. Fructarier und Sonnenköstler essen meist auch geringe Mengen an Nüssen oder Samen.

Monokost

Diese sehr strenge Form der Rohkost besagt, dass zu jeder Mahlzeit nur ein einziges Lebensmittel gegessen werden darf. Der Körper benötigt so am wenigsten Energie für die Verdauung, da jedes Lebensmittel eine andere Zusammensetzung der Verdauungssäfte erfordert. Der Abstand zwischen den Mahlzeiten sollte mindestens so lange sein, bis die vorherige Mahlzeit verdaut ist, was zum Beispiel bei Früchten wesentlich schneller der Fall ist, als bei Nüssen.

Urkost

Die Urkost wurde von Franz Konz entwickelt, der darauf abzielt, Nahrung möglichst ursprünglich zu sich zu nehmen. Grundsätzlich ist die Urkost roh-vegan, wobei etwaige Läuse oder kleine Würmchen auf den Pflanzen mitgegessen werden können und auch Erde solle hin und wieder verzehrt werden. Wildkräuter und Moose spielen hier eine wichtige Rolle, wobei sie nicht gewaschen oder vorher zerkleinert werden sollen, da dies nicht einer ursprünglichen Ernährungsweise entspricht – schließlich gab es ja auch noch keinen Vitamix bevor das Feuer erfunden war. Somit findet man hier auch keine Säfte und Konz lehnt es sogar ab Wasser zu trinken, da man von Früchten allein genug Flüssigkeit bekäme. Diese Meinung ist aber sehr umstritten.

Da auch ich sehr gerne Neues dazulerne und mein Wissen erweitere, freue ich mich sehr über eure Kommentare oder E-Mails! Ebenso dürft ihr mich gerne kontaktieren, wenn ihr zu diesem Thema noch mehr Informationen oder Quellen haben wollt.

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